- Cervelats nach geheimer Rezeptur sind seine Spezialität: Familienunternehmer Paul Lüthi aus Bern.

- Metzger Lüthi lehrt die Deutschen Cervelat

- Paul Lüthi junior, Chef der Meinen AG in Bern, ist Herr über drei Fleischverbearbeitungsbetriebe und einen kleinen Kühl-Logistikbetrieb. Dass immer mehr Schweizer Konsumenten ihr Fleisch im günstigen Euro-Raum kaufen, schadet nicht nur seinem Geschäft, es macht ihn auch nachdenklich.

Durch die untreuen Konsumenten entgehen der Schweizer Fleischwirtschaft laut Schätzungen der Hochschule Nordwestschweiz dieses Jahr rund eine Milliarde Franken. Doch anstatt zu jammern, will Lüthi etwas wagen. Und den Deutschen die Schweizer Nationalwurst Nummer 1 schmackhaft machen: «Bei uns ist der Cervelat ein Renner, wieso sollte er nicht auch in Deutschland Erfolg haben?»

Also inserierte er in der «Lebensmittelzeitung», dem Branchenblatt der deutschsprachigen Detailhändler, für seine Würste. Lüthis Mut wurde bereits belohnt: «Wir sind in Verhandlungen mit mehreren Detailhändlern, die einen gros­sen Markt in Deutschland und teilweise in ganz Europa bedienen.» Namen kann er noch keine nennen, aber Lüthi ist zuversichtlich, dass es zu Geschäftsabschlüssen kommt.

In Deutschland wartet aber niemand auf den Cervelat, das ist dem Fleischunternehmer klar. In deutschen Kühlregalen muss sich die Schweizer Wurst gegen zahlreiche Konkurrenten behaupten. Lüthi ist aber überzeugt, dass der Cervelat qualitativ herausstechen wird: «Seine spezielle Rezeptur spricht eine breite Kundenschicht an.» Dass man ihn zudem grillieren, in der Pfanne braten oder auch kalt essen kann, mache ihn auch für deutsche Konsumenten interessant.

Da wäre aber noch das Problem mit dem Preis. Die meisten Fleischerzeugnisse in deutschen Läden erhält man zu einem Preis, mit dem hier noch nicht einmal die Produktionskosten gedeckt wären. Gleichzeitig glaubt Lüthi, der bereits Sparten-Fleischprodukte nach Deutschland exportiert, dass die Deutschen nur selten gerne für Schweizer Qualität tief ins Portemonnaie greifen.

Dank zwei Umständen kann Lüthi die Produktionskosten tief halten. Erstens die Grösse seines Familienunternehmens: Insgesamt arbeiten 440 Leute für ihn, und er deckt 15 bis 20 Prozent des Schweizer Cervelat-Marktes ab. Zweitens kann er dank des zollrechtlichen Verfahrens mit der Bezeichnung «aktiver Veredelungsverkehr» als Exporteur Rohfleisch günstiger importieren.